Leider kommt es immer wieder vor, dass Rinder durch Stress in Panik geraten. Stress ist für ein Nutztier weitaus schlimmer als Schmerz. Wenn wir beispielsweise beobachten, mit welcher Gewalt Tiere unter sich ihre Rangordnung ausmachen und wir sehen, mit welcher Gelassenheit Kühe Verletzungen hinnehmen, dann ist das für uns als Beobachter doch erstaunlich. Bemerkenswert ist auch, wie sich Rinder von für uns nichtigen Anlässen stressen lassen oder sogar in Panik geraten.
In Panik geratene Tiere lassen sich nicht mehr kontrollieren. Alles im Tier ist auf „Flucht“ ausgerichtet. Der Körper funktioniert nur noch automatisch. Jegliche Tierbetreuer, Zäune und andere Hindernisse werden vom Hirn als solche nicht mehr wahrgenommen. Die Augen funktionieren zwar noch, die Informationen der Augen können im Gehirn aber nicht mehr verarbeitet und richtig eingeordnet werden. In Panik geratene Tiere sollte man nach Möglichkeit nicht noch mehr stressen. Beispielsweise ein Rind, welches bei der Schlachtviehannahme „den Kopf verliert“ und flüchtet, sollte man nicht mit möglichst viel Lärm und vielen Helfern verfolgen. Erfolgsversprechender ist, wenn man das Tier aus Distanz verfolgt und dem Tier Zeit gibt, sich wieder zu beruhigen. Ein Tier, welches sich beruhigt hat, lässt sich besser erneut einfangen, als ein Tier, bei welchem der Stresspegel durch die wilde Verfolgungsjagd konstant hoch gehalten wird.
Viel Stress lässt sich vermeiden, wenn der Tierhalter versucht, die Umgebung auch aus dem Rinderblickwinkel wahrzunehmen. Durch einen ruhigen, überlegten und entspannten Umgang mit Rindern, lässt sich viel Stress für Tier und Mensch vermeiden. Tiere ohne Stress sind zudem viel leistungsfähiger und krankheitsresistenter, was sich wirtschaftlich wieder mehr als bezahlt macht.