Kleine Rinderpsychologie

Jeder Viehzüchter kennt seine Kühe. Jedenfalls ganz bestimmt seine Abstammungen, Milchleistung und Punktierung. Kennt er aber seine Kühe auch „persönlich“?
Ein Landwirt der versucht seine Tiere zu verstehen. Hat viel mehr Freude bei seiner Arbeit, weil so die Tiere viel weniger gestresst werden und so mit der Leistung eher am oberen als am unteren Limit fahren.
Das Geheimnis im Umgang mit Rindern heisst „Vermeiden von Stress“. Der Mensch ist relativ Stressresistent aber sehr wehleidig im Umgang mit Schmerzen. Gerade umgekehrt läuft es bei unseren Rindern. Wenn wir uns vergegenwärtigen mit welch schlimmen Verletzungen ein Tier noch „funktioniert“ aber bei welchen kleinen Störungen ein Rind gestresst wird, haben wir schon etwas gelernt.
In unseren heutigen Haltungssystemen ist es besonders wichtig, dass sich der Tierhalter, trotz Zeitmangel mit seinen Tieren beschäftigt. Was ist schon ein bis zwei Stunden Arbeit pro Tiere, verteilt auf ein paar Tage wenn man dafür ein Tier erhält, welches an der Halfter läuft, sich auf der Wiese in die richtige Richtung treiben lässt und durch seine stressfreie Haltung viel mehr zu leisten im Stande ist?
Am besten beginnt man gleich nach der Geburt. Mittlerweile ist es erwiesen, dass mit zwanzig Minuten intensivem Streicheln und zu reden gleich nach der Geburt, ein Kalb auf den Menschen geprägt werden kann. Diese frühe Prägung ermöglicht dem Viehhalter später einen besseren Zugang zu Tiere, das Tier ist schneller ans Anbinden gewöhnt etc.
Im täglichen Umgang mit Rindern spielt die Art und Weise eine Rolle, wie wir ein Tier in eine Situation bringen, wie das Tier mit der Situation umgeht. Ein Rind, welches zum ersten Mal mit viel Lärm und Schlägen in einen Klauenstand getrieben wird, reagiert zum Klauenschneiden selber viel nervöser, als ein Tier welches mit Geduld und Zeit in den Klauenstand gebracht wird. Wenn man mit Rindern etwas schnell machen will, muss man dies langsam tun.